Im ersten Halbjahr 2010 setzte eine spürbare Erholung der Nachfrage ein. Der Auftragseingang stieg um 23% auf CHF 1 010 Mio., der Umsatz betrug CHF 1 041 Mio. und lag um 12%, währungsbereinigt um 10%, unter dem Wert der Vorjahresperiode. Während der Rückgang in den ersten drei Monaten 2010 noch 23% betragen hatte, erreichte der Umsatz des zweiten Quartals bereits den Vorjahreswert. Das Betriebsergebnis betrug CHF 71 Mio. und stieg um 21%. Das Konzernergebnis von CHF 43 Mio. verbesserte sich nur leicht um 4% infolge des mit Währungsverlusten belasteten Finanzertrags. Insgesamt bestätigt der Konzern die Aussichten für 2010.
Nachhaltigkeit der Erholung unsicher
Nach dem massiven konjunkturellen Einbruch im Vorjahr stabilisierten sich die Märkte von Bucher Industries gegen Ende 2009 auf tiefem Niveau. Zu Beginn des ersten Halbjahrs 2010 setzte jedoch in den meisten Tätigkeitsgebieten eine spürbare Verbesserung der Nachfrage ein. Trotzdem blieb die allgemeine Wirtschaftslage unsicher und instabil. Die hohe Verschuldung der Industriestaaten mit den absehbar tieferen Steuereinnahmen und den geplanten Sparprogrammen liess Zweifel an der noch zaghaften konjunkturellen Erholung aufkommen. Die massive Schwäche des Euros und der übrigen Hauptwährungen gegenüber dem Schweizer Franken belasteten die operativen Kennzahlen des Konzerns. Die starke Präsenz mit Produktionsstätten im Euroraum und in den USA sowie die konsequente Absicherung der Wechselkurse zu Beginn des Geschäftsjahres minderten die negativen Effekte der Währungsschwankungen.
Erholung des Geschäftsgangs
Im ersten Halbjahr 2010 erholte sich die Nachfrage in den Hauptmärkten von Bucher Industries vom sehr tiefen Niveau des Vorjahres. Diese Entwicklung wirkte sich insbesondere in einer Zunahme des Auftragseingangs um 23.3%, währungsbereinigt um 26.1%, auf CHF 1 010.0 Mio. aus. Der Umsatz von CHF 1 040.7 Mio. folgte der positiven Entwicklung des Auftragseingangs naturgemäss mit Verzögerung und lag um 11.7%, währungsbereinigt um 9.7%, unter dem Wert der Vorjahresperiode, die noch von einem starken ersten Quartal geprägt war. Des Weiteren war der Konzern mit einem um CHF 336.1 Mio. tieferen Auftragsbestand ins laufende Jahr gestartet. Das Betriebsergebnis verbesserte sich dank der im Vorjahr umgesetzten Massnahmen zur Senkung der Kosten um 21.3% auf CHF 71.2 Mio. Der mit Währungsverlusten belastete Finanzertrag betrug CHF 1.6 Mio. und lag um CHF 9.4 Mio. unter dem Vorjahreswert. Der Steueraufwand von CHF 17.6 Mio. blieb praktisch konstant und das Konzernergebnis verbesserte sich um 3.6% auf CHF 43.3 Mio. Mitte Jahr beschäftigte der Konzern 7 687 Mitarbeitende, was im Vergleich zum Vorjahr einer Zunahme um 41 Vollzeitstellen entsprach. Die Kurzarbeit betraf noch 26 Vollzeitstellen und konnte damit praktisch um rund 90% reduziert werden.
Starke Bilanz
Im ersten Halbjahr 2010 ging das Eigenkapital um CHF 30.9 Mio. auf CHF 761.6 Mio. zurück. Dies ist vor allem auf die Konsolidierung ausländischer Tochtergesellschaften in Schweizer Franken zurückzuführen. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich gegenüber dem Jahresende leicht und betrug 37.7%. Die saisonal bedingte Abnahme der flüssigen Mittel war seit Jahresende 2009 weit weniger stark als in früheren Jahren. Die Nettoverschuldung verbesserte sich gegenüber der Vorjahresperiode deutlich um CHF 212.1 Mio. und im Vergleich zum Jahresende nahm sie geringfügig um CHF 37.6 Mio. auf CHF 155.7 Mio. zu. Dies entsprach einem Gearing von 20.4%.
Kuhn Group
Im ersten Halbjahr 2010 entwickelten sich die Hauptmärkte für spezialisierte Landmaschinen regional unterschiedlich. In Europa nahmen die Einkommen der Landwirte infolge anhaltend tiefer Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere von Milch, weiter ab. Die Diskussionen über staatliche Sparanstrengungen erhöhten die Unsicherheit bei den Landwirten zusätzlich. Dieses Umfeld beeinträchtigte das Investitionsverhalten stark. Mit Ausnahme von Polen blieben die Märkte in Osteuropa schwach. In Nordamerika hingegen wurde der Tiefpunkt zu Beginn des Jahres durchschritten und die Kapazitäten von Kuhn in Nordamerika waren wieder weitgehend ausgelastet. Das Konkurrenzumfeld intensivierte sich durch aggressive Verkaufsaktionen derjenigen Wettbewerber, die überhöhte Lagerbestände zu reduzieren versuchten. Trotz dieses schwierigen Umfelds erzielte Kuhn Group einen Auftragseingang von CHF 376.6 Mio. und übertraf den von Annullierungen geprägten tiefen Vorjahreswert um 36.1%, währungsbereinigt um 39.7%. Der Umsatz von CHF 497.2 Mio. lag um 17.2%, währungsbereinigt um 14.7%, unter dem Vorjahr, was hauptsächlich auf das noch starke erste Quartal des Vorjahres zurückzuführen war. Das Betriebsergebnis betrug CHF 44.9 Mio. und lag trotz der ungünstigen Währungsentwicklung des Euros zum Schweizer Franken um 8.7% über dem Vorjahreswert. Die EBIT-Marge konnte dank der im letzten Jahr umgesetzten Sparmassnahmen und der weiterhin umsichtigen Betriebsführung von 6.9% auf 9.0% verbessert werden. Der Übergang des mit Kverneland vereinbarten parallelen Vertrieb der Ballenpressen und -wickler auf das weltweite Kuhn-Händlernetz ist weit fortgeschritten und kann wie geplant am 1. September 2010 erfolgen.
Bucher Municipal
In einem seit Jahresbeginn um rund 20% rückläufigen Markt behauptete sich die Division im ersten Halbjahr 2010 dank ihrer starken Marktstellung in den Hauptabsatzländern gut. Sie steigerte den Auftragseingang um 4.4%, währungsbereinigt um 3.3%, auf CHF 186.1 Mio. und gewann Marktanteile in einigen grossen Ländern Europas. Der Umsatz von CHF 171.6 Mio. ging um 3.6%, devestitionsbereinigt um 2.7%, zurück. Das Betriebsergebnis nahm infolge der nun wirksamen Kosteneinsparungen des Vorjahres um 43.9% auf CHF 9.5 Mio. zu, womit die EBIT-Marge von 3.7% auf 5.5% verbessert werden konnte. Die sehr hohen Staatsverschuldungen europäischer Länder und die angekündigten, erheblichen Sparmassnahmen der Regierungen hatten noch keine negativen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung. Die harte und lange Wintersaison 2009/2010 wirkte sich positiv auf das Geschäft mit Ausrüstungen für den Winterdienst aus. Die Division gewann eine grosse, auch für den zukünftigen Erfolg wichtige Ausschreibung im Umfang von je 88 Salzstreuern und Schneepflügen für die Stadt St. Petersburg. Der Ausbau des Produktions- und Montagewerks in Lettland mit einem Investitionsvolumen von rund CHF 6 Mio. wurde plangemäss fortgesetzt. Im ersten Halbjahr konnte die Schweisserei für Kehrgutbehälter und Chassis, die bisher weitgehend von lokalen Lieferanten beschafft wurden, erfolgreich in Betrieb genommen werden. Die Währungsturbulenzen wirkten sich unterschiedlich aus. Während das Werk in England vom günstigen Pfundkurs im Export profitierte, drückte der hohe Schweizer Franken auf die Profitabilität. Der hohe Anteil des Einkaufs im Euroraum milderte jedoch diesen negativen Effekt. Am 1. Mai 2010 verkaufte Bucher Municipal das Projektgeschäft Flugfeld-Kehrblasgeräte und Rolba-Schneefrässchleudern an die Schweizer Zaugg AG. Mit diesem Schritt fokussierte die Division ihr Winterdienstgeschäft auf die Serienprodukte Streuer und Schneepflüge und steigerte ihre operative Effizienz.
Bucher Hydraulics
Nach dem massiven und schlagartigen Einbruch des Zuliefergeschäfts mit kundenspezifischen hydraulischen Systemlösungen im Vorjahr setzte im ersten Halbjahr 2010 ein unerwartet starker Aufschwung in den Hauptabsatzmärkten Europa und USA, aber auch in Asien ein. Dank der flexiblen Reaktionsfähigkeit konnte die Division von dieser Entwicklung profitieren. Der Auftragseingang von CHF 206.8 Mio. übertraf die Vorjahresperiode um 53.9%. Der Umsatz stieg um 13.0%, währungsbereinigt um 16.2%, auf CHF 193.1 Mio. Die hohe Auslastung der im Vorjahr stark angepassten Kapazitäten und der Volumenzuwachs verbesserten das Betriebsergebnis von CHF 10.4 Mio. auf CHF 24.1 Mio. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte sich die EBIT-Marge von 6.1% auf erfreuliche 12.5%. Die meisten Marktsegmente verzeichneten hohe Steigerungsraten, wobei die Nachfrage in den Segmenten Baumaschinen und Fördertechnik besonders ausgeprägt war. Der rasche und überaus deutliche Aufschwung dürfte zumindest teilweise im Zusammenhang mit dem im Vorjahr erfolgten Lagerabbau bei Kunden stehen. Die hohe Nachfrage wirkte sich bei den Zulieferern überproportional aus und verusachte bereits wieder erste Engpässe in der Lieferkette. Die Division konnte aufgrund des starken Auftragsanstiegs die Kurzarbeit ausser in Italien und Kanada aufheben. Wegen der Unsicherheit in Bezug auf die reale Nachfragesteigerung ohne den Wiederaufbau der notwendigen Lager bewältigte Bucher Hydraulics die Volumenzunahme vorwiegend mit temporären Personalkapazitäten.
Emhart Glass
Das kapitalintensive und spätzyklische Geschäft mit Maschinen zur Herstellung von Glasbehältern war im ersten Halbjahr 2010 immer noch stark vom Abschwung betroffen. Die Projekttätigkeit blieb schwach und die Kunden zögerten ihre Investitionsentscheide weiter hinaus. Erst gegen Ende des ersten Halbjahres 2010 nahm die Nachfrage vor allem in Asien und China wieder etwas zu. Trotz dieses schwierigen Umfelds stieg der Auftragseingang von Emhart Glass um 3.0%, währungsbereinigt um 8.1%, auf CHF 139.1 Mio. Der tiefe Auftragsbestand zu Beginn des Jahres führte zu einem starken Umsatzrückgang um 29.5% auf CHF 104.3 Mio. Der Rückgang lag über unseren Erwartungen und war neben der schwachen Projekttätigkeit auch auf die von Kunden verlangten Auslieferverschiebungen ins dritte Quartal zurückzuführen. Die verhaltene Investitionsneigung bei Neugeschäften wirkte sich hingegen erfreulich auf das Geschäft mit Ersatzteilen und Serviceleistungen aus. Das Betriebsergebnis war durch die sehr tiefe Auslastung der Kapazitäten und Rückstellungen für Strukturanpassungen von CHF 5.3 Mio. belastet, sodass ein Betriebsverlust von CHF 7.8 Mio. resultierte. Die Rückstellungen betrafen Kosten für die Verlagerung der Produktion von Glasformungsmaschinen aus Italien in das neue Montagewerk nach Malaysia. Die Produktion in Italien wird per Ende des Berichtsjahres geschlossen. Zusätzlich wird der Einkauf für speziell ausgewählte Komponenten von Europa nach Fernost verlegt und ebenfalls dem malaiischen Standort übertragen. Das Werk in Malaysia soll in den nächsten zwei Jahren schrittweise erweitert werden. Die hochmoderne Teilefertigung in Schweden für komplexe und kritische Komponenten bleibt in Schweden und soll weiter modernisiert und ausgebaut werden. Diese zukunftsweisenden Massnahmen verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der Division in Bezug auf Kostenstrukturen und Marktnähe nachhaltig.
Bucher Specials
Bucher Specials umfasst die unabhängigen Einzelgeschäfte Weinproduktionsanlagen, Anlagen für die Fruchtsaftproduktion und Klärschlammentwässerung sowie das Schweizer Handelsgeschäft mit Traktoren und spezialisierten Landmaschinen. Die drei Geschäfte entwickelten sich in der Berichtsperiode unterschiedlich. Der gute Geschäftsgang bei den Weinproduktionsanlagen und dem Schweizer Handelsgeschäft für Landmaschinen konnte den starken Rückgang bei den Fruchtsaftanlagen mehr als kompensieren. Insgesamt steigerte Bucher Specials den Auftragseingang um 7.1%, währungsbereinigt um 9.1%, auf CHF 101.4 Mio. Der Umsatz betrug CHF 76.5 Mio. und unterschritt den Wert der Vorjahresperiode um 7.8%. Das Betriebsergebnis fiel aus saisonalen Gründen negativ aus und betrug minus CHF 1.6 Mio. Während die Weinproduktionsanlagen stark vom EU-Subventionsprogramm profitierten und eine hohe Zunahme im Auftragseingang und beim Umsatz erzielten, blieb der Umsatz im Geschäft mit Fruchtsaftanlagen wegen der weltweit hohen Lagerbestände von Fruchtsaftkonzentrat und Finanzierungsschwierigkeiten bei den Kunden deutlich unter der Vorjahresperiode. Anfang Juli wurde die Akquisition der Geschäftstätigkeiten der auf Fruchtsaftaufbereitung spezialisierten Unipektin Engineering AG in Eschenz, Schweiz, bekanntgegeben. In der Klärschlammentwässerung gelang neben den bisherigen kommunalen Anlagen mit einer ersten Bestellung der Eintritt in industrielle Anwendungen. Das Schweizer Handelsgeschäft für Landmaschinen erfreute sich weiterhin einer regen Nachfrage. Die Vorbereitungen für die Übernahme des Vertriebs der gesamten Produktpalette mit spezialisierten Landmaschinen der Division Kuhn Group per 1. September 2010 sind praktisch abgeschlossen und eine gezielte Stärkung des Schweizer Händlernetzes konnte realisiert werden.
Aussichten 2010
Die generelle konjunkturelle Lage bleibt weiterhin instabil. Unsicherheiten in Bezug auf die Auswirkungen der hohen Staatsverschuldungen, die turbulenten Währungsrelationen sowie die Verteuerung der Rohstoffe, sei es aus Gründen realer Nachfrage oder spekulativer Natur, schränken die Sichtweite für Zukunftsprognosen stark ein und machen die Geschäftsentwicklung schwer voraussehbar. Kuhn Group geht von einem eher schwierigen und von hohem Konkurrenzdruck gezeichneten zweiten Halbjahr aus und rechnet deshalb für das laufende Jahr, ohne Berücksichtigung der Wertminderungen im Jahr 2009, mit einem knapp gehaltenen Umsatz, jedoch einem etwas besseren Betriebsergebnis. Bucher Municipal erwartet eine leichte Abschwächung der Nachfrage im zweiten Halbjahr und infolge des Wegfalls der Restrukturierungskosten von 2009 und bereinigt um das Schweizer Handelsgeschäft für Landmaschinen einen Umsatz in der Grössenordnung des Vorjahres und ein besseres Betriebsergebnis. Ohne Berücksichtigung der Wertminderungen von 2009 erwartet Bucher Hydraulics eine sehr deutliche Zunahme des Umsatzes sowie des Betriebsergebnisses. Emhart Glass dürfte den Umsatz des Vorjahres knapp erreichen und trotz Restrukturierungskosten noch ein positives Betriebsergebnis erzielen. Bucher Specials rechnet mit einem Umsatz und Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau. Insgesamt bestätigt der Konzern die Aussichten für 2010 und rechnet ohne Berücksichtigung der Wertminderungen von CHF 86 Mio. im 2009 mit einem Umsatz, Betriebs- und Konzernergebnis in der Grössenordnung des Vorjahres.
Niederweningen, im August 2010
Rolf Broglie
Präsident des Verwaltungsrats
Philip Mosimann
Chief Executive Officer |